Ich hoffe, das Thema passt gut hierher, ich würde am ehesten zum Verhalten einordnen...
Folgendes Problem: Schimm ist ein super liebes, zutrauliches und neugieriges Pferd. Man kann praktisch alles mit ihm machen und ihn überall anfassen - nur nicht an den Ohren! Beim Trensen und dem Überziehen von Fliegenohren gibt es keine Probleme. Jetzt könnte man sich natürlich denken, gut, warum soll sich das Pferd noch an den Ohren anfassen lassen? Tjaa, der Herr badet unglaublich gerne in Matschpfützen und gerade zur kalten Jahreszeit hin, bekommt er immer dickere, verfilztere Klumpen in und an den Ohren. Bis zu einem gewissen Grad soll mich das nicht stören, ein Pferd muss nicht lupenrein sein, ein Schimmel darf auch mal Liegeflecken haben oder einen gelblichen Schweif. Wir hatten mal Einstaller, dir ihrem Schimmel den Schweif mit Chlorbleiche und das Fell mir Reiniger der Marke Frosch gewaschen haben. Für mich eine absolute Katastrophe! Das gehört ins Bad und auf Fußböden, nicht an ein Lebewesen Aber das ist ein anderes Thema... Für mich werden nur die Matschklumpen in den Ohren irgendwann zu viel. Ich befürchte, wenn zu viel Dreck im Gehörgang festsitzt, dass es zu Entzündungen kommen kann. Bei Schimm hilft da irgendwann nur noch eins: rausschneiden!
Aber wie? Wir üben seit Monaten das Berühren der Ohren und klicken auch mal mit der Schere in der Nähe der Ohren. Alles mit sehr viel Geduld, Streicheleinheiten und Leckerchen. Wir sind jetzt soweit, dass ich das Ohr für 20-30 Sekunden von außen streicheln darf und vorsichtig mit dem Daumen kurz die Innenseite entlangfahren darf. Mit der Schmusebürste darf ich auch kurz darüber gehen. Früher hat er den Kopf schon hochgerissen, wenn er auch nur geahnt hat, dass ich in die Nähe seiner Ohren will.
Jetzt steht der Winter in Haus und bald müssen die Ohren wohl oder übel etwas ausgeschnitten werden. Was ist definitiv nicht will, ist das Theater vom letzten Jahr. Das war weder für Schimm, noch für mich ein tolles Erlebnis und ich möchte es ohne Druck mit ihm schaffen.
Habt ihr noch Tipps, wie ihr das üben würdet oder habt ihr vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht? Mein Ziel wäre es ja, dass er mich irgendwann so an die Ohren lässt, dass ich sie auf regelmäßiger Basis etwas säubern kann, sodass man eventuell gar nicht ausschneiden muss.
"Die Menschen sind Rivalen im Wettkampf, aber geeint und Freunde durch ihr Ideal in der Ausübung ihres Sportes und noch mehr im täglichen Leben." Jigoro Kano
Das Thema Ohren ist wirklich eine heikle Sache. Meine wollte anfangs überhaupt nicht am Kopf (einschließlich Ohren) angefasst werden, warum es mittlerweile so gut geht, kann ich eigentlich gar nicht genau sagen. Ich würde so vorgehen, dass ich dem Pferd am Mähnenansatz den Hals entlang nach oben streichen würde. Solange es entspannt bleibt immer ein Stückchen höher, wenn es den Kopf "hochzieht" (oder ähnliches), wieder eine Handbreite zurück, wo es noch komfortabel war. Wenn es bis zum Genick gut geht, dann an den Ohren hochstreichen, sobald wieder eine Gegenreaktion kommt, Hand zurück auf's Genick legen. Manche Pferde haben auch ein Problem mit leichten Druck, weil sie das kitzelt und möchten, dass man die Ohren fest streicht, andere dagegen mögen den festeren Druck nicht. Wenn das Pferd die Ohren von außen anfassen lässt, dann würde ich langsam versuchen die Ohren von unten bis zur Spitze hin langsam auszustreichen, was im Allgemeinen sogar eine Entspannungsübung bei Pferden ist
Mit welchen Methoden hast du es denn bis jetzt probiert?
Den Trick mit dem am Hals entlang Streichen in Richtung Kopf/Ohren habe ich anfangs auch probiert - Fehlanzeige, der wusste ganz genau, was ich wollte xD Er wusste immer ganz genau, ob ich ihn gerade nur so kraulen will, oder ob ich auf die Ohren abziele.
Schimm lässt sich sehr gerne auf der Stirn und am Schopf kraulen, das habe ich mir zu nutze gemacht und habe quasi die gleiche Strategie angewendet.
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Hier mal ein Update: Schimm hat sich inzwischen wahnsinnig gesteigert. Wenn ich ihn jetzt am Kopf streichel, Trense oder Halfte an-/ablege, putze oder !gezielt! nach dem Ohr greife, toleriert er 5-10 Sekunden den Kontakt und lässt mich machen. Kürzlich durfte ich ihm sogar einen kleinen Dreckklumpen herauszupfen, was ja vorher gar nicht ging. Außerdem habe ich seit ein paar Wochen einen Putzhandschuh mit Plüsch. Damit lässt er sich total gerne den Kopf streicheln und lässt mich von außen noch viel länger an die Ohren, scheint es sogar teilweise zu genießen. Von innen kann ich sogar auch einmal schnell durchputzen, allerdings darf ich da echt nicht zu lange brauchen. Selbst wenn es ihm zu viel an den Ohren wird und er sich zurückzieht, lässt er mich anschließend trotzdem an den kopf und nach einer kurzen Pause sogar wieder an die Ohren. Sonst war es so, dass wenn ich einmal an den Ohren war und er sich aufgeregt hat, ich an dem Tag und meist auch an den nächsten 2-3 Tagen nicht mehr daran zu denken brauchte, auch nur in die Nähe seiner Ohren zu kommen.
Ich habe einfach kosequent ihn immer wieder kurz an den Ohren berührt und ihn ausgibigst gelobt, zwischendurch mal ein Leckerchen dafür gegeben und vor allem in alltäglichen Situationen die Übungen immer wieder einfließen lassen, sodass es gar nicht mehr so besonders für ihn ist.
Toll wäre es natürlich, wenn ich es ihm irgendwann mal so schmackhaft machen könnte, dass das gar kein Thema mehr ist und er sich dabei richtig entspannen kann. Hauptziel ist aber, dass es soweit funktioniert, dass ich seine Ohren sauber halten kann, ohne ihn extremen Stress auszusetzen. Ich kann ihn ja nicht dazu zwingen, es zu mögen.
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Das ist ja super! Meine RB hat das auch nie zu gelassen. Hab dann bei der Bodenarbeit angefangen mit dem vortasten und Rückzug system. Seid sie im Sommer so extreme Stiche im Ohr hatte und wir gezwungen waren ihr das Ohr ein zu Cremen hat sie gemerkt wie gut es doch ist mal im Ohr gekrault zu werden. Seitdem mag sie das auch richtig. Aber das ist auch eher nur bei mir der Fall, bei ihrer besi ist sie doch eher skeptisch...