ich habe mich vor etwas längerer Zeit hier im Forum angemeldet und mich erstmal gar nicht eingebracht. Ich bin noch etwas unsicher in Sachen Diskussionen im Internet / Austausch mit Menschen die man nicht vor sich sehen kann, geschweige denn kennt Aber hier im Forum fühle ich mich wohl und ich vermisse einfach den Austausch mit Menschen, die ähnlich ticken wie ich. Ich freue mich, dass das in diesem Forum gelingt, drum traue ich mich jetzt einfach mal offen meime Gedanken auszuplaudern.
Ich habe vor knapp 20 Jahren mit dem Reiten angefangen. Ich hatte zwischendurch alles in allem leider ca. 5-7 Jahre Pause, bin nun aber seit längerem wieder fest im Sattel und seit fast 3 Wochen Besitzerin meines ersten Pferdes. Wie ich in meinem Vorstellungs Thread schon kurz geschrieben habe, habe ich das Gefühl durch meine Reitpause Vieles verpasst zu haben. Ich glaube ich habe schon ein recht großes Wissen zum Thema Pferde und ich habe schon viele verschiedenste Pferde kennen gelernt, Neugeborene, 30-jährige, ängstliche, mutige, große, kleine,... Habe mit ihnen Freundschaft geschlossen, mit ihnen gearbeitet und bin auf vielen von ihnen geritten.
Trotz allem kommt mir mein Erfahrungsschatz unvollständig vor. Und dadurch lasse ich mich schnell verunsichern, habe das Gefühl die Reiter die ich in meinem Alltag treffe halten mich für unerfahren, stellen sich über mich, finden meine Herangehensweise nicht richtig. (Leider habe ich wirklich ein Problem damit, dass ich flapsige Sprüche oä. sehr an mich ranlasse und jedes Wort auf die Goldwaage lege.) Es macht mir etwas aus, wie andere von mir reden und über mich denken. Ich weiß noch nicht, wie ich das lösen kann, so dass ich mich nicht immer angegriffen fühle. Ich muss irgendwie öfter mal auf Durchzug schalten... Obwohl ich mich verunsichern lasse, wirkt sich das (zum Glück) nicht auf meine Überzeugungen im behutsamen Umgang mit Pferden aus.
Ich bin von einer sensiblen und respektvollen Art im Umgang mit Pferden überzeugt und ich habe mit verschiedenen Reitbeteiligungen und auch in der kurzen Zeit mit meinem eigenen Pferd, durch meine Art zu trainieren schon einiges erreichen können. Ohne Stress und ohne Gewalt. Einfach mit Geduld, Ruhe, Respekt, mit viel Bodenarbeit und damit dem Pferd "zuzuhören", ihm zu erklären, was ich mir von ihm wünsche und dies mit Geduld und für das Pferd sinnvoll und verständlich im angenehmen Miteinander zu erarbeiten. Ich habe das Gefühl, viele von euch haben eine ähnliche Haltung, das ist schön Ich habe in meinem Freundeskreis keine Reiter, und mit den Menschen am Stall verstehe ich mich zwar ganz gut in "Tür-und-Angel-Gesprächen", jedoch verstehen sie meine Art mit Pferden umzugehen nicht. Sie sind eher von der Sorte "Der hört nicht, knall ihm eine" oder "Der hat das zu Können!" ...naja ich denke ihr wisst was ich meine. Da ist keiner, dem ich mein Pferd blind anvertrauen würde, oder mit dem ich eine gemeisame Bodenarbeits-Einheit erarbeiten könnte. Die meisten machen dort eigentlich gar keine Bodenarbeit.
Ehrlich gesagt habe ich jetzt meinen Faden verloren.
Ich hoffe einfach, dass ich hier im Forum ein bisschen Anschluss bekomme und sich nette Gespräche entwickeln!
Da kann ich dich beruhigen, mir geht es fast genauso wie dir.
Zwar habe ich keine Reitpause gehabt, aber da ich in meiner Reiter Laufbahn seid über zehn Jahren ohne Trainer oder Reitlehrer mich durch wurstle, kommt es mir so vor wie wenn ich echt hinten nach hinke. Dabei lese ich viel, schaue Dvds und Videos. Letztes jahr habe ich noch ein paar Kurse besucht. Da war ich allerdings nur Zuschauerin aber trotzdem konnte ich viel mitnehmen. Dadurch das ich in einem kleinen stall bin, erlebe ich das mit den Sprüchen nicht. Wenn mich aber jemand um Rat fragt, kann ich nichts dazu sagen. Erst später fällt mir dazu was ein und dann ist es auch zu spät oder theoretisch weiß ich es, kann es aber nicht vermittelt bekommen... Für mich ist das in gewisser Weise auch frustrierend, da ich sehr gerne Pferden und Menschen helfen möchte.
Mein Ziel ist es einfach, versuchen so viel wie möglich zu lernen. Man darf auch nie vergessen: Bei den Pferden lernt man nie aus!
Zitat von Jumo Aber hier im Forum fühle ich mich wohl und ich vermisse einfach den Austausch mit Menschen, die ähnlich ticken wie ich. Ich freue mich, dass das in diesem Forum gelingt, drum traue ich mich jetzt einfach mal offen meine Gedanken auszuplaudern. [...] Schön hier zu sein
Das freut mich sehr und ich hoffe natürlich, dass wir dir hier ein bisschen "unter die Arme" greifen können. Der faire Umgang mit dem Partner Pferd liegt uns hier allen am Herzen
Hey, erstmal sehr schön, dass du dich bei uns so wohl fühlst
Ich denke, dein Problem ist kein seltenes und die wenigsten Menschen, die sagen, sie würde es nicht interessieren, was andere von ihnen denken, meinen es tatsächlich so.
Persönlich habe ich über die Jahre eine Strategie entwickelt, die mir sehr dabei geholfen hat - vielleicht ja auch dir. Ich nehme es in Kauf, dass mir manche Kommentare in dem Moment nahe gehen, nehme aber etwas Abstand von der Situation und bevor ich anfange, mich darüber zu ärgern oder die Worte zu überanalysieren, sie auf die Goldwaage zu legen, stelle ich mir die simple Frage, wie wichtig mir die Meinung dieser Person überhaupt ist? Was denke ich von der Person? Habe ich eine hohe Meinung von ihr? Möchte ich sie unbedingt näher kennenlernen und in mein Leben integrieren? Was hat sie getan, um sich meine Aufmerksamkeit zu verdienen? Fällt das Fazit hier negativ aus, habe ich auch kein Problem mehr, den bissigen Kommentar oder was auch immer es war zur Seite zu schieben und loszulassen. Der nächste Schritt wäre dann, offen und ehrlich mit diener eigenen Meinung zu antworten. Das kann nicht jeder, ist meiner Meinung nach aber eine enorme Erleichterung. Ich hatte bei uns schon zwei sehr unterschiedliche Situationen... Situation 1: Ich stehe mich Schimm auf der Stallgasse, er will nicht still stehen, zappelt rum und versucht, Decken anzukauen oder bettelt mit dem Vorderbein. Jedes Mal aufs Neue sage ich erst "Nein!", wenn er dann nicht reagiert richte ich ihn ein Stück rückwärts und lobe, wenn er aufhört, wenn auch nur kurz. Lediglich wenn er trotz des Rückwärtsrichtens bettelt und zwar so, dass er quasi meine Knie gefährdet, gebe ich ihm einen leichten Klapps aufs Bein, gleiche Intensität wie beim Klopfen zum Loben, aber mit einem deutlichen "Nein!" dabei - wenn ich jemals an diesen Punkt komme, reagiert Schimm immer und wird dann wieder sofort tüchtig gelobt. Hier bekam ich tatsächlich mal den Kommentar: "Boah, darauf hätte ich ja gar keinen Bock! Dem würde ich einfach eine knallen! Irgendwann hab ich meinem mal nen Strick durch die Fresse gezogen, seit dem mach der das nicht mehr!". Meine Antwort war ein ganz trockenes: "Ich sehe schon, hier spricht ein wahrer Tierfreund. Darf ich dir dann auch den Strick ins Gesicht knallen, wenn es mir mit dir zu viel wird?". Nie wieder ein Wort von dieser Person und sie ist zum Glück nicht mehr bei uns am Stall. Situation 2: Krasses Gegenteil. Junges Mädel hat von Opi ein Top Sportpferd geschenkt bekommen. Aber Achtung! Püppi ist sensibel! Das Pferd ist mit seinen über 15 Jahren total ungehorsam, weil das Mädel sie einfach alles machen lässt. Irgendwann hat Chanti das Pferd vom Paddock geholt und die Stute beschloss, sie mochte das Pony am Nachbarpaddock nicht und wollte trotz Chanti am Strick auf das Pony zugaloppieren. Chanti hielt sie am Strick zurück, was der Stute nicht gepasst hat. Sie stieg Chanti am Strick an und Chanti hat das Pferd mit einem "Nein!" am Strick wieder runter geholt. Sobald sie wieder brav neben ihr her ging, wurde die Stute gelobt. Das Mädel sah das allerdings und kam zu uns und meinte ernsthaft zu Chanti, sie solle nicht so grob mit ihrer Püppi umgehen, die sei ja sensibel. Das Pferd wurde wohlgemerkt weder angeschrien noch geschlagen, kein Klaps, nichts. Das Pferd war auch nicht in Panik, sondern hat deutlich das andere Pony angegiftet und hat das gezielt den Menschen angestiegen. Da fand ich die Reaktion, sie nur am Strick runterzurupfen, sehr milde. Auf die Nachfrage "Soll Püppi einem lieber beim Steigen die Hufe ins Gesicht hauen?" wusste das Mädel aber keine Antwort...
Nun also die Frage: Legst du wert auf die Meinung solcher Leute?
Sicher sind nicht alle so. Der Trick ist es, die tollen Leute herauszufiltern. Vielleicht machen viele gar keine Bodenarbeit, weil sie es nicht kennen. Das Erlebnis hatte ich auch schon oft, ich wusste es ja anfangs selbst nicht besser. Wenn du mit den Leuten aber darüber redest und auch mal ungefragt erklärst, was du da machst und warum du es machst, dann landest du automatisch in deiner Wohlfühlzone. Hier kannst du mit deinem Wissen punkten und selbst, wenn die Leute anderer Meinung sind, werden sie dich als jemanden Einschätzen, der weiß, was er tut und der Ahnung von seinem Gebiet hat. Wenn du so viel Glück hast wie ich, triffst du interessierte, offene Menschen, die sich gerne Angucken, was du machst un es vielleicht auch mal ausprobieren wollen. Lass dich nicht von den anderen verunsichern, sondern ziehe sie bewusst in deine Wohlfühlzone
"Die Menschen sind Rivalen im Wettkampf, aber geeint und Freunde durch ihr Ideal in der Ausübung ihres Sportes und noch mehr im täglichen Leben." Jigoro Kano
Zitat von HorseMeUpWie wichtig mir die Meinung dieser Person überhaupt ist? Was denke ich von der Person? Habe ich eine hohe Meinung von ihr? Möchte ich sie unbedingt näher kennenlernen und in mein Leben integrieren? Was hat sie getan, um sich meine Aufmerksamkeit zu verdienen?
Danke Klingt simpel, aber ich glaube das ist echt ene Lösung! Genau das ist nämlich mein Problem. Ich lege alles auf die Goldwaage und sich da zu stoppen und bewusst genau diese Fragen zu stellen kann sicherlich helfen es zu relativieren. Auf die einfachsten Dinge kommt man manchmal nicht von selbst