meine Stute ist ziemlich sensibel, wir beide verstehen uns sehr gut und ich finde sie einfach wunderbar. Heute wurde ich am Stall darauf angesprochen, dass sie sich so schlecht einfangen und aufhaltern lassen würde.
Leider steht sie aktuell noch nachts in einer großen Außenbox - ich bin kein Fan davon und hoffe dass am Hof bald ein Platz im Offenstall frei wird. (Oder ich im Lotto gewinne und selbst einen Paddock Trail bauen kann. ) Ich möchte keine Diskussion über Haltungsformen eröffnen, aber nur als kurzer Hinweis, wieso meine Sute überhaupt von Fremden eingefangen wird: Morgends und Abends bringen die Stallbesitzer die Pferde raus bzw. rein.
Wenn ich zu ihr auf die Weide gehe kommt sie immer schon an, begrüßt mich und lässt sich problemlos aufhalftern. Ich hatte noch nie das Problem, dass sie sich nicht einfangen lies, auch das Aufhalftern klappt problemlos. Ich habe allerding bei ihrer Vorbesitzerin schon beobachtet, dass sie auch mal weggeht wenn jemand kommt. Bei diesem speziellen Beispiel war ihre (sehr nette und vorsichtige) Vorbesitzerin total aufgeregt und angespannt und meine liebe Stute hat sich dann erstmal verkrümelt. Sie ist mein erstes eigenes Pferd und ich will alles perfekt machen. Ich mache mir jetzt einfach Sorgen um sie und hoffe sehr, dass sie gut behandelt wird, auch wenn sie mal wegläuft. Ich vermute, ihr ist die Situation, wenn 10 Pferde nacheinander reingeführt werden einfach etwas zu angespannt, oder sie hat einfach keine Lust in die Box zu gehen. Ich habe alles in allem das Gefühl, dass sie sich auf dem Hof sehr wohl fühlt und dass es ihr gut geht. Auch von den Hofbesitzern hatte ich einen guten Eindruck. Sie sind zwar eher plump und sehr pragmatisch, aber nicht grob und würden nie mit Absicht einem Pferd Unrecht tun.
Was denkt ihr darüber? Mache ich mich zu sehr verrückt?
Leider kann ich dir dazu keinen konkreten Tipp geben, aber das erinnert mich an meine Stute. Sie ließ sich nur von mir an den Ohren anfassen und in den Hänger führen. Bei ihrer besi hat sie das nicht zugelassen. Da hat man deutlich gemerkt das sie mir wirklich vertraut.
Es kann viele Gründe haben warum sich ein Pferd nicht einfangen lässt. Da habe ich schon erlebt das Pferde die Menschen austesten und manche geben da wirklich auf und das Pferd hat erreicht was es wollte es durfte auf der Koppel bei den anderen bleiben. Dann denke ich kommt es auch drauf an wie die Leute auf das Pferd zu gehen. Wie du schon geschrieben hast mit der Vorbesitzerin. Wenn die zu unsicher sind oder eh schon mit der Einstellung hin gehen das se sich nicht aufhalftern lässt oder eh weg läuft wird das Pferd das merken und wie gewünscht reagieren. Da glaube ich an das Prinzip das Pferde in uns lesen können wie in einem offenen Buch. Natürlich kann es auch sein, wenn dein Pferd etwas misstrauisch ist, nicht einfach jeden an sich ran lässt...
Unter der Prämisse, dass sich die Stallbetreiber fair und vernünftig verhalten, würde ich auch zwei Optionen sehen. 1. Die Stute testet aus. 2. Die Stute ist verunsichert. Natürlich habe ich keine Ahnung, wie sich das genau in der Realität darstellt, ich kann nur erzählen, was ich bisher für Fälle kennengelernt habe. Schimm zum Beispiel testet gerne mal aus. Ich habe mit ihm geübt, wenn ich ihn auf die Wiese bringe, hat er sich mit dem Hintern von mir weg in Richtung Wiese zu drehen und darf dann erst los. Wenn ich mal mehrere Pferde raus bringe und nicht genug Hände habe, um ihn zu drehen, würde es ihm aber nie einfallen, loszurennen. Bei Chanti, die ganz entspannt mit ihm umgeht und die er ja auch aus dem täglichen Umgang kennt, hat er erstmal versucht loszurennen. Ähnliche Phänomene haben wir auch mit anderen Pferden schon gehabt. Wir hatten aber auch schon ein Pony, dass je nach dem, wie man getrenst oder gehalftert hat, in blanke Panik ausgebrochen ist. Das war ein altes Schulpony, das quasi schon in Rente war und vielleicht 1-2x die Woche unsere 30min Schrittrunde mit einem kleinen Kind spaziert ist. Das Pony wurde auch immer nur von den Reitlehrern getrenst und gehalftert, aber einmal hatte da wohl jemand nicht nachgedacht und gefragt, ob ich Zeit hätte, den Kleinen eben für die Spazierrunde fertig zu machen. Ohne das zu wissen habe ich ihn auf der Wiese gehalftert, runtergeführt, angebunden, geputzt und den Voltigurt draufgelegt. Auch das Trensen ging ohne Probleme. Plötzlich stand Chanti vor mir, völlig baff und hat gefragt, wer mich denn zu dem Pony geschickt hätte, das hätte sonst immer bei Fremden Angst vorm Halftern und Trensen. Ich war wohl einfach so ruhig und gelassen und bin unvoreingenommen in die Situation gegangen, dass das Pony auch entspannt war. Unsere Stallbetreiberin ist z.B. auch die Ruhe in Person, sie hat sehr lange therapeutisches Reiten geleitet und konnte bisher jedes Pferd ganz entspannt händeln. Wenn die Betreiber deines Stalls etwas forsch sind, mag das zwar gar nicht böse oder unfair sein, aber manche Pferde lassen sich ja sehr schnell einschüchtern. Vielleicht gibt es ja mal die Möglichkeit, dass du sie dabei begleitest und beobachtest oder sogar unterstützt. Häufig kann es helfen, das Pferd nicht direkt anzugucken und ruhige Bewegung zu machen, vielleicht erstmal streicheln und ein Leckerli vorm Halftern geben... Das muss ja nicht jedes Mal gemacht werden, nur zur Gewöhnung wäre das vielleicht eine Idee.
"Die Menschen sind Rivalen im Wettkampf, aber geeint und Freunde durch ihr Ideal in der Ausübung ihres Sportes und noch mehr im täglichen Leben." Jigoro Kano
Danke schonmal für Eure Antworten. Mir geht es gar nicht so sehr um das Interpretieren des Verhaltens meiner Stute oder um das Verbessern des Aufhalfterns. Wir verstehen uns gut Sie begrüßt mich freundlich und lässt sich von mir gut aufhalftern. Du hast natürlich Recht dass es schon von großer Bedeutung sein kann, wie man sich dem Pferd nähert. Das sind Dinge die ich im täglichen Umgang sehr berücksichtige. Weshalb es mir ein Bedürfnis war das hier zu erzählen ist, weil ich hoffe dass es meiner Stute auch mit den Stallbesizern gut geht. Ich neige schnell dazu zu denken "Ohje vielleicht brauchen wir einen anderen Stall wo alle lieb und behutsam sind!" Ich frage mich, ob ich mich zu schnell verrückt mache und es okay ist, wie es ist? Schwer zu erklären worauf ich hinaus will, Sorry!
Ich denke, dass du dir da ein wenig zu viele Gedanken machst
Zwei Beispiele: Sind in einer Pferdeherde alle Herdenmitglieder lieb und behutsam zueinander? Nein. Da gibt es Sympathien und Abneigungen, genau wie Pferde sie auch zu Menschen entwickeln können. Keilereien und Streitigkeiten sind an der Tagesordnung (wie ja auch positivere Dinge...). Und dennoch sind vermutlich die meisten wild im Herdenverband lebenden Pferde nicht unglücklich über dieses Leben. Unter Menschen ist es ja ganz ähnlich. Du selber musst dich sicherlich auch mit Menschen arrangieren, denen du am liebsten aus dem Weg gehen würdest. Und wenn es nicht gerade ein ganz extremer Fall ist, dann gehe ich davon aus, dass du damit dennoch zurechtkommst. Wenn man nur unter Personen wäre, die alle lieb und nett sind, würden sich höchstwahrscheinlich nach einer Weile dennoch Spannungen aufbauen. Ohne das schlechte weiß man das Gute doch auch nicht zu schätzen! Ich glaube, dass man dies in gewissem Maße auch auf Pferde übertragen kann.
Außerdem klingt es so, als hätte deine Stute zweimal täglich direkten Kontakt zu den Stallbesitzern, und das eine Mal auch noch in der doofen Situation, dass sie von der Weide in die Box geholt wird. Warum sollte sie sich darauf freudig einlassen? Überspitzt gesagt. Sicherlich tut manch ein Pferd das. Aber ehrlich - besonders klug ist das nicht! Es ist in meinen Augen nicht ungewöhnlich, dass ein Pferd nicht mit jemanden, zu dem es keine besondere Bindung hat, mitgeht bzw. sich von vorne herein am liebsten gar nicht aufhalten lassen möchte.
Pferde sind wie die Wurzel aus -1 : Sie sind komplex und in der Schule lernt man nicht, wie wichtig sie sind.
Du hast total Recht, so habe ich es noch gar nicht gesehen. Ich merke ja auch, dass sie unterscheidet, wer zu ihr kommt. Danke für deine Antwort! Das beruhigt mich wirklich