Bestimmt habt ihr es auch so gelernt: aufstehen, wenn das äußere Vorderbein nach vorn schwingt und Schenkel ran beim Hinsetzen. Richtig? Also ich habe noch keinen Reiter kennen gelernt, der das anders macht ... bis vor Kurzem. Eine Freundin von mir, die schon seit über 30 Jahren im Sattel sitzt, hat nun einen anderen Gedanken durch ihre Trainerin bekommen. Das Ziel beim Treiben ist eine aktivierte Hinterhand UND ein aufgewölbter Rücken. Wie soll denn das Pferd aber den Rücken aufwölben, wenn genau in dem Moment des Treibens das Reitergewicht von oben drückt?! Also der neue Ansatz: treiben beim Aufstehen, weil dann der Rücken freier ist! Seit etwa einem Jahr arbeitet meine Freundin daran, was extrem schwer war, aber nun ist der veränderte Bewegungsablauf in ihrem Kopf angekommen. Sie merkt auch an ihrem Pferd eine deutliche Verbesserung der Haltung, der Trittlänge und der Rückenmuskulatur Aus diesem Grund hab ich das in den letzten Tagen auch ausprobiert das wird aber noch eine Weile dauern, bis ich das umgesetzt bekomme ... fühlt sich schon ein bisschen "krüppelig" an
Wieder hab ich das Gefühl ich hab irgendwie als Reitschüler nix gelernt XD Also ich hab noch nie gehört das man beim hinsetzen treiben soll Da ich eher immer triebige Pferde hatte neige ich eher dazu immer zu treiben. Jetzt muss ich beim nächsten mal erstmal drauf achten wann ich denn nun tatsächlich treibe
Prinzipiell klingt das aber was du sagst Claudia logisch. Sinnvoller ist es beim aufstehen zu treiben.
Meine alte RL hat mir nie erklärt, wann genau ich treiben soll. Meine neue RL hat mir erklärt, dass man wechselseitig treiben soll. Das ist aber gar nicht so einfach, weil hierzu der Sitz schon sehr gut sein muss, für einen guten Sitz muss das Pferd aber schon gut vorwärts gehen. Da ich ja eine Katastrophe beim leicht Traben bin und mein Unterschenkel bei jedem Aufstehen nach hinten zuckt, achten wir erstmal darauf, dass ich mein Bein so ruhig wie möglich halte und ich, sollte es mal nötig sein nachzutreiben, lieber die Gerte nehme, als meine Beine noch unruhiger werden zu lassen. Im Aussitzen klappt es zwischendurch aber schon ganz gut mit dem wechselseitigen Treiben.
Grundprinzip ist wohl das, was Claudias Freundin meint. Wenn ich korrekt der Rückenbewegung folge, holt sich das Pferd die treibende Hilfe sogar selbst ab. Die Grundbewegung, die mein Becken im Trab, egal ob ausgesessen oder leicht getrabt, braucht, ist vergleichbar mit dem Fahrradfahren oder einem Mitlaufen. Durch dieses rhythmische Auf und Ab wird der Schenkel wechselseitig ans Pferd gedrückt und zwar in dem Moment, in dem das jeweilige Hinterbein gerade in der Luft ist, wodurch das Pferd durch den kurzen Impuls am Bauch den Schritt automatisch etwas länger setzt. Treibe ich erst im Moment des Abfußens, kommt die Reaktion erst verzögert und recht häufig auch hektisch oder ruckelig, weil das Pferd ja dann schnell wieder sein Bein heben will und nicht einfach nur den Tritt etwas länger und schwungvoller setzt.
Man kann das sehr gut üben, indem man im Schritt versucht, der Bewegung des Pferderückens zu folgen. Man kann auch aus den Steigbügeln raus und übertrieben die Bewegung wie beim Fahrradfahren machen und dann immer kleiner werden, bis sich nur noch das Becken bewegt. Legt man dabei dann die Schenkel wieder richtig ans Pferd, sollte man merken, wie der Schenkel bei jedem Heben der Hinterhand an den Pferdebauch gedrückt wird. Beim leicht Traben ist es dann genauso. Man kann hier zur Verdeutlichung statt Fahrrad zu fahren mit dem Becken eine liegende Acht malen, ohne in der Hüfte abzuknicken, und dabei immer kleiner werden. Auch hier merkt man, wie der Schenkel automatisch beim Heben der Hinterhand wechselseitig näher an das Pferd wandert.
"Die Menschen sind Rivalen im Wettkampf, aber geeint und Freunde durch ihr Ideal in der Ausübung ihres Sportes und noch mehr im täglichen Leben." Jigoro Kano