Ich dachte, ich mache hier mal den Anfang zum Thema Kompliment. Gemeint ist hier die Zirkuslektion, bei der sich das Pferd sozusagen auf einem Vorderbein "hinknien" soll.
Bekanntlich führen viele Wege nach Rom, die geläufigsten Methoden sind hier wohl Folgende: 1. Der Einsatz einer Beinschlinge. 2. Das Halten eines Vorderhufs und das Herunterlocken mit einem Leckerchen. 3. Das Halten eines Vorderhufs in Kombination mit Rückwärtsrichten an der Brust.
Ich übe mit der zweiten Methode, da ich bei der Ersten Angst hätte, dass Schimm sich erschrickt und in sich in der Schlinge verheddert und er bei der dritten Variante nicht so recht verstehen wollte, was ich von ihm möchte. Auf die zweite Methode ist er sehr schnell mit wachsender Begeisterung eingegangen und hat schnell begonnen, die Übung selbst anzubieten, in der Hoffnung, ein Leckerchen zu bekommen Erfahrungsgemäß wird die Übung leichter, sobal das Pferd verstanden hat, dass es sein Gewicht nach hintern verlagern muss. Das hat auch bei Schimm zugetroffen, er war einer der Kandidaten, die ziemlich schnell verstanden haben, worum es geht.
Nun zum Wesentlichen: Jetzt üben wir schon seit einer ganzen Weile und hängen sozusagen fest. Schimm geht gerne runter und angelt sich das Leckerchen. Hiernach wird er aber eher hektisch. Sein Bein legt er nicht immer ganz ab, das ist abhängig von seiner Tagesform. Aber auch wenn er sein Bein ablegt habe ich das Gefühl, dass er darauf gar kein Gewicht aufnimmt, er also auf den Hinterhufen und einem Vorderhuf balanciert Ab diesem Punkt hat er es auch sehr eilig wieder hoch zu kommen, zeigt aber deutliches Interesse die Übung zu wiederholen. Ich habe also nicht den Eindruck, dass er Panik bei der Übung bekommt.
Habt ihr Tipps, wie ich mehr Ruhe in die Übung bringen könnte un es ihm schmackhafter machen kann, länger unten zu bleiben? Wie könnte ich ihn dazu motivieren, Gewicht auf seinem abgelegten Bein aufzunehmen? Welche Methode nutzt ihr für das Kompliment?
"Die Menschen sind Rivalen im Wettkampf, aber geeint und Freunde durch ihr Ideal in der Ausübung ihres Sportes und noch mehr im täglichen Leben." Jigoro Kano
Ich kann dir zu dem Thema eigentlich nur die letzte Frage beantworten Genau wie du habe ich es mal mit der zweiten Methode versucht, aber schnell wieder sein lassen, weil mir selbst die Geduld dazu fehlt
Hast du mal überlegt, einen Kurs zu dem Thema zu besuchen? Oder vielleicht hast du das ja auch schon gemacht ^^
Hey, ja, ich hatte mich schonmal nach Bodenarbeitskursen umgesehen, aber viele sind weiter weg, passen nicht zu meiner Vorstellung oder sind wirklich teure, mehrtägige Veranstaltungen. Ich bin ja nunmal nur die Reitbeteiligung und habe zudem keinen Hängerführerschein. Schimms Besitzerin würde mich bestimmt mal ausnahmsweise irgendwo hinfahren, aber da bin ich doch was die Entfernung angeht eingeschränkt
Alternativ habe ich mal Jenny gefragt, welche Horsemanshiptrainer sie empfehlen kann, die vielleicht Parelli und ein paar Zirkuslektionen u.a. auch anbieten und die vielleicht sogar bei mir in der Nähe sind - wohne ja auch ganz nah an Dortmund.
Sie konnte mir eine Empfehlung aussprechen und nachdem ich mir auch die entsprechende Seite angeschaut habe, bin ich ganz angetan. Das steht jetzt also definitiv auf meiner To-Do-Liste
Noch bin ich mitten in der Vorbereitung für meinen schwarzen Gürtel - wenn nicht gerade die Schulter ausfällt Sobald ich nicht mehr 4-5 Mal neben Uni, Stall und Nebenjob beim Training bin möchte ich definitiv ein paar Unterrichtsstunden dazu nehmen
"Die Menschen sind Rivalen im Wettkampf, aber geeint und Freunde durch ihr Ideal in der Ausübung ihres Sportes und noch mehr im täglichen Leben." Jigoro Kano
Hi Also, dein Problem klingt ganz "klassisch". Heißt, das haben sehr sehr viele die mit der zweiten Methode arbeiten. Ein Trainer hat mir mal gesagt, dass man mit dieser Methode das Pferd zwar ins Kompliment bekommt, das Pferd wird das Kompliment aber nicht verstehen und es wird nie wirkich abrufbar werden. Genau die Erfahrung habe ich bisher auch gemacht, mit verschiedenen Pferden. Auf dauer ist diese Methode auch gesundheitlich nicht ganz unbedenklich, da viele Pferde dann anfangen sich auf ihrem Kopf abzustützen. Hatte das ein Mal ganz extrem. Pony war im Kompliment, hatte den Kopf zwischen den Vorderbeinen und sich mit dem Gewicht voll darauf abgestützt. Ist von der Genickhaltung dann wie extreme Rollkur, nur noch mit dem Körpergewicht von nem Pony drauf.
Ich arbeite inzwischen, wenn ich es einem Pferd neu beibringe, mit 1 und 3 gleichzeitig. Heißt ich habe die Beinlonge, hebe das Bein darüber an und schicke das Pferd dann über den Rückwärtsgedanken ins Kompliment. Allerdings ist der Umgang mit der Beinlonge nicht ganz einfach, am Anfang verheddert man sich da gern mal. Das habe ich mir einmal vom Trainer erklären lassen. Und man muss auch darauf achten die richtige Longe zu haben, sodass nichts reibt, einschneidet etc. Dein Gedanke mit dem erschrecken ist natürlich nicht ganz verkehrt, man muss das Pferd langsam an die Beinlonge gewöhnen. Dann ist das aber normal kein Problem. Selbst unser Wildpferd, das selbst bei nem Kappzaum das spinnen anfängt (wie können wir es wagen es so zu fesseln???) hat sich innerhalb von 5 Minuten an die Beinlonge gewöhnt und dann auch super mitgemacht. Um das Rückwärts zu verstehen brauchen manche Pferde ein bisschen, da einfach schon kleine Schritte belohnen. Wenn er sich da sehr schwer tut kann das schon das Gewicht nach hinten verlagern sein. Dauert bei manchen länger als bei anderen, aber eigentlich haben es auf diese Methode alle die ich erlebt habe (dürften jetzt so rund 15 - 20 Pferde sein) ziemlich schnell gelernt. Das ganze dann frei abzufragen bzw. erstmal die Longe immer mehr abzubauen ist dann natürlich einfach eine Zeit und Trainingsfrage...
Sehr empfehlen kann ich, wenn du dich für Freiarbeit und auch speziell Zirzensik interessierst, das Buch "Natürliche Partnerschaft mit Pferden" von Peter Pfister. Da ist das alles sehr kleinschrittig und logisch aufgedröselt. Bzw. bin ich von ihm, Steffi und Christoph (Tochter bzw, Schwiegersohn) auch als Trainer sehr begeistert. Die sind irgendwo in Hessen und fahren auch relativ weit für Kurse, das müsste von Dortmund aus ja eigentlich erreichbar sein.
Ich hoffe das hilft dir ein bisschen weiter
Tschideli und bis bald! Jana, Lögg, Vina und Dís grüßen euch!
Das Problem mit dem abgelegten Kopf kenne ich, davon habe ich schon vorher gehört und mich informiert. Ich achte sehr darauf, dass er mit dem Kopf nie so tief kommt, dass er sich darauf ablegt, an guten Tagen kann ich ihm das Leckerchen schon vor den Beinen und nicht dahinter hinhalten. Insgesamt habe ich es so gelernt, dass man bei dieser Lektion so früh wie möglich den Kopf nach vorne korrigieren sollte.
Dass das später nicht abrufbar sein soll habe ich ehrlich gesagt noch nie gehört, ich kenne auch Leute, bei denen hat das ganz super funktioniert.
Das Buch schaue ich mir auf jeden Fall mal an. Ich werde wohl mal schauen, wie es mit den von Jenny empfohlenen Trainern klappt, außerdem gibt es noch einen Trainer, der mir jetzt von einer bei uns am Stall empfohlen wurde. Das wird schon ^^
"Die Menschen sind Rivalen im Wettkampf, aber geeint und Freunde durch ihr Ideal in der Ausübung ihres Sportes und noch mehr im täglichen Leben." Jigoro Kano
Ich benutze auch hauptsächlich Methode Nr. 2, manchmal, je nach Pferd abgewandelt Methode Nr. 1. hatte schon verschiedene Pferde, die einen waren mit der Leckerli Methode sehr gut zu Motivieren, die anderen nicht... bei der Leckerlimethode achte ich sehr starkdarauf das die Karpalgelenke gerade bleiben. An dem Punkt wo sie lernen sich abzulegen versuche ich nicht mehr unterm bauch zu füttern, sondern den Kopf vor zu holen und vorne zu füttern. Bzw, an dem Punkt bin ich meistens so weit, das ich nur noch runter locke , die Futterbelohnung bekommt das Pferd aber nicht mehr unterm Bauch. Und ich brauche, je nach Pferd und Gesundheitszustand und Beweglichkeit, mehrere Wochen bis dahin. Ich erarbeite die Dehnung und Lastaufnahme immer ehr langsam.
Bei Pferden mit Schwierigkeiten und zickigen oder faulen Hoppas benutze ich abgewandelt die Beinlonge, aber ich leg sie nicht um den Rücken sondern behalten den Strick in der Hand.
Generell achte ich darauf alles immer mit Ruhe zu machen, zappelt der Kandidat oder läuft rückwärts schick ich ihn mit Ruhe und absoluter Konsequenz wieder auf den Platz.
Gerade bei übereifrigen, hecktischen Tieren zerpflücke ich die Übung in Einzelteile und achte darauf das alles Stück für Stück geht und mache alles mit absoluter Ruhe...
Wie manche von euch es vielleicht sogar schon auf Instagram gesehen haben, hatten Schimm und ich heute einen für mich riesigen Erfolg! Quasi der Druchbruch nach Wochenund Monaten der Stagnation Ich habe ein wenig Bodenarbeit mit Schimm gemacht und dabei meinen neuen Horsemanship-Stick ausprobiert - hatte ja bisher keinen und jetzt hat André mir einen zu Weihnachten geschenkt Wir haben eher wenig gemacht und den Schwerpunkt auf das Yo-Yo-Game gelegt, wozu ich auch im neuen Jahr ein Video machen möchte. Wie meistens nach der Bodenarbeit wollte ich auf jeder Seite zwei Mal das Kompliment üben. Das erste Mal hat Schimm so gut gemacht, dass ich mich zum Glück dazu entschlossen habe, nochmal die Kamera anzuwerfen. Er hat es darauf noch besser gemacht, hat sich richtig auf dem Bein abgelegt und blieb zum Fressen einige Sekunden unten und hat danach glaube ich die Welt nicht mehr verstanden, als ich anfing, ihn zu loben wie einen Weltmeister. Er war viel routinierter und entspannter als sonst, auch wenn es nur wenige Sekunden waren. Er hat tatsächlich mal richtig Last aufgenommen und das Bein voll abgelegt und ist nicht bei dem ersten Kontakt zwischen Bein und Boden hochgeschnellt Ich bin so glücklich und stolz und habe das Gefühl, dass wir heute einen wichtigen Schritt gemeistert haben.
"Die Menschen sind Rivalen im Wettkampf, aber geeint und Freunde durch ihr Ideal in der Ausübung ihres Sportes und noch mehr im täglichen Leben." Jigoro Kano
Ich hab erst nach Variante 1 angefangen und hatte aber oft das Problem das sie mir in ihrem Eifer in die Finger gebissen hat. Dann hab ich das eine Weile gelassen und erstmal am Grundgehorsam geübt. Durch meine Verletztung hab ich das Tricktraining wieder aufgenommen. Jetzt nach der Variante mit dem Rückwärtsrichten. Klappt auch schon recht gut. Jetzt hab ich aber das "Problem" das sie mit so viel Schwung hinter geht das sie manchmal mit dem abgeknickten Bein an die Hinterhand kommt. Oder...sie versucht das andere Bein das eigentlich grade bleiben sollte auch einzuknicken kriegt es nicht hin und steht dann auf. Das sieht echt Abenteuerlustig aus o.Ö
Jemand Vorschläge? xD
Liebe Grüße Ravi und Samira
~Of Ymir’s flesh,was earth created, formed Midgard for the sons of men~?
Auf dem Lehrgang sollte ich das Kompliment, so wie wir es bisher geübt haben, vorzeigen und mit wurde der Zahn gezogen, dass das in irgendeiner Weise sinnvoll sein könnte. So, wie wir es bisher gemacht haben, ist Schimm irgendwie durch seine Futtergier unten, ohne eine vernünftige Körperhaltung. ein Gymnastizierung findet nicht statt, die Muskulatur wird nicht gefördert. Das musste ich auch ganz klar einsehen. Uns wurde geraten, das Plié vorzuschalten, um erstmal einen vernünftigen Stand aufzubauen und die Rückenaufwölbung zu trainieren. Obwohl die Übung noch auf vier Beinen stattfindet, ist sie wahnsinnig kräftezehrend und nach wenigen Wiederholungen konnte man sehen, wie Schimms Vorderbeine zu zittern begonnen haben - ein klares Zeichen, dass man aufhören muss. Deine Beschreibung klingt jetzt so, als würde sie zum Einen nicht richtig stehen, weshalb sie sich also mit der Hinterhand im Weg ist. Das Problem hatte Schimm auch und man konnte deutlich sehen, dass die Muskulatur dann völlig falsch gedehnt wird. Das Einknicken des vorderen Standbeins fing Schimm immer dann an zu zeigen, wenn die Übung zu schwer wurde und er die Dehnung im Karpalgelenk nicht halten konnte. Uwe hat erklärt, dass durch dieses Einknicken und das Einrollen der Zehe falsche Spannungen in den Sehnen rund ums Röhrbein entstehen und man diesen Punkt immer als Zeichen zum Abbrechen sehen sollte, man also am Besten bis kurz vor diesen Punkt trainiert und nach und nach die Kraft und die Flexibilität erhöht, bis das Pferd dann letztlich im Kompliment ist. Außerdem hat er mir eine Zweimann-Methode für das Kompliment gezeigt, wobei ein Helfer mittels Fußlonge das Bein lediglich hochnimmt und dann der Bewegung des Pferdes folgt, während der andere es soweit runterfüttert, bis man wieder kurz vor dem Punkt ist, an dem das Karpalgelenk einknickt oder das Bein anfängt zu zittern. Aber auch hier sollte das Pferd vorher anständig stehen. Schimm steht wahnsinnig gerne eng und das richtige Positionieren hat meist länger gedauert, als die tatsächliche Übung. Zum richtigen Positionieren sollte ich ihn so hinstellen, dass die Hinterbeine parallel ein Stück hinter der senkrechten stehen, also hinter dem Körper und nicht unter dem Körper. Die Vorderbeine sollten parallel und etwas gespreizt sein. Dafür sollte ich mich neben Schimm stellen, ihn kurz über der Schulter etwas auf das von mir abgewandte Vorderbein schieben, sodass das mir zugewandte Vorderbein entlastet ist. Dann fische ich mit meinem Fuß seinen Huf und stelle ihn etwas nach außen. Gerade das Ausrichten der Hinterbeine ist uns sehr schwer gefallen, aber nur so ist eben gewährleistet, dass die Hinterhand aus dem Weg ist und der Pferderücken genug Raum hat, um sich aufzuwölben, ohne zu stark komprimiert zu werden.
"Die Menschen sind Rivalen im Wettkampf, aber geeint und Freunde durch ihr Ideal in der Ausübung ihres Sportes und noch mehr im täglichen Leben." Jigoro Kano