Mein Pony liebt es im Stechschritt nach Hause zu gehen, dadurch unkonzentriert und schreckhaft zu werden und dabei den Rücken konstant wegzudrücken.
Mittlerweile bin ich so weit, das ich mir selbst so im Weg stehe und es oftmals einfach führe. Da hab ich dann eher die Kontrolle und kann in brenzligen Situationen besser eingreifen.
Da es so aber nicht weitergehen kann brauche ich mal Brainstorm-Lösungsvorschläge.
Zum besseren Verständnis nochmal der genaue Ablauf:
Wir reiten los. Das Pony ist entspannt, schnaubt schnell ab, gibt den Rücken her und ist konzentriert. Zwar meist etwas unmotiviert und langsam, sodass ich ihn vermehrt treiben muss, aber sonst sehr aufmerksam und ruhig.
Sobald es auf den Heimweg geht, dreht er immer mehr durch, je mehr es Richtung Stall geht. Er wird hektisch, will ständig schneller (traben oder galoppieren) gehen und sobald ich ihn versuche zurückzuhalten und mehr den Zügel aufzunehmen, wird er zunehmend verspannter und schreckhafter. Ich werde dann natürlich auch nervös und somit wird es noch schlimmer. Gestern war ich so weit, das ich echt geheult hab. Weil ich das Vertrauen in ihn verliere wenn er so drauf ist. Das ist der erste Winter wo er so extrem ist. Es nervt einfach nur noch. Er hat momentan wenig Auslauf, sodass ich es verstehen würde wenn er auch hinzus so hektisch und schnell wäre, aber das ist er nicht.
Da seine RB genau dieselben Probleme hat und sie sich noch weniger durchsetzen kann, wird es nicht besser...
Lösungswege: Bisher hab ich versucht ihn zu beschäftigen. Rückwärts gehen zu lassen, langsamer, wenn das gut klappt loben Zügel hergeben aber sofort wird er wieder schneller, reißt den Kopf hoch und ist total angespannt. Hmpf. Traben oder galoppieren auf dem Rückweg wird echt gefährlich, von daher mach ich das gar nicht mehr. Denn entweder bockt er volle Suppe oder rennt los wie ein Irrer. Oder machtn Satz aufs Feld und rennt erstmal mit der RB im Kreis...
Gestern hab ich ihn dann rumgedreht, was er totaaaal dumm fand, er hat sich richtig gewehrt und ich hab ihm gesagt NÖ so nicht und etwas härter mit dem Schenkel agiert. Dann hab ich gedacht gut, wenn du rennen willst, gehst du eben den Weg rückwärts... Also ist er 10 meter Rückwärts gegangen, ich hab ihn wieder in Fahrtrichtung gebracht und siehe da, das Pony wurde langsamer und war brav bis zum Ende des Weges. Sollte das der beste Weg sein???? Es war nur eine Idee, aber irgendwie hats funktioniert.... keine Ahnung. Aber eigentlich will ich ihm rückwärts nicht als Strafe beibringen. Denn bisher kennt er es nicht als Bestrafung oder als unangenehm sondern als ganz normale "Gangart"
Im Sommer, wenn er 24 h draußen ist, ist er natürlich viel gechillter, zwar auch schneller auf dem Rückweg, aber nicht so "unkontrollierbar"... wobei er das ja auch nicht ist, er macht ja meist das was man von ihm will... ach menno ich verzweifel noch... eigentlich wollte ich ihn diesen Winter so oft reiten aber ich hab echt den Spaß verloren... und nicht nur ich sondern auch die RB...
Bei der Freiarbeit und Bodenarbeit ist er immer super und hört auch prima zu, ist ruhig und immer kontrollierbar.
Ich hatte mal eine RB die so ähnlich drauf war. Ich hab dann mal versucht immer volten zu machen. Hat aber nicht funktioniert Da ich dann den Stall verlassen musste hat sich das eh erledigt... Ronja ist auch ziemlich flott auf dem Heimweg, allerdings nur im schritt...
Was ich vielleicht machen würde, ist nur im schritt auszureiten?
Mein erster Gedanke war der Ansatz von Ronja - wenn die örtlichen Gegebenheiten es zulassen Volten, Kringel, Schlangenlinien und Achten reiten. Aus zwei Gründen: die Wendung bremst das Pferd aus und durch das Umstellen lockert es sich im Hals, was dann das Problem mit dem weggedrückten Rücken beheben sollte. Eine Bekannte von mir hatte das gleiche Problem mit ihrem Haflinger und da hat diese Methode gut funktioniert. Ich kann mir aber auch andere Pferde denken, die sich dabei weiter aufspulen würden ... Meine Sheila hat sich bei Ausritten anfangs immer steif und fest gemacht, da habe ich auf dem Radweg Seitengänge abgefragt und bin in Wechselnder Stellung geritten, das hat sie auch gelöst. Mit dem Tempo hatten wir allerdings keine Probleme.
Als zweites hätte ich Rückwärtsrichten vorgeschlagen - das hast du ja auch schon gemacht. Ich glaube aber nicht, dass dein Pony das als Strafe ansieht. Allerdings als Konsequenz, was ja nicht negativ behaftet sein muss! Damit würde ich erstmal weiterarbeiten. Außerdem würde ich, wenn das möglich ist, einen anderen Heimweg suchen, den dein Pony noch nicht kennt. Dann spult er sich erst später auf, nämlich dann, wenn er erkennt, dass es heim geht. Auf jeden Fall verschiedene Heimwege abwechseln, wenn das möglich ist.
Eine Sache finde ich aber ganz besonders wichtig: Ruhe bewahren! Ich weiß, das ist schwer. Und manchmal möchte man verzweifeln. Das geht aber nicht. Zeig deinem Pony, dass du Herr der Lage bist. Auch, wenn du gar nicht das Gefühl hast. Und bleibe ruhig und konsequent. Reite ihn immer wieder an die Hilfen und versuche dich darauf zu konzentrieren, die Kontrolle zu behalten und selber zu entspannen. Zur Not würde ich persönlich empfehlen, kurz abzusteigen und vom Boden aus die Kontrolle zurückzugewinnen, bevor du wieder aufsteigst und nach Hause reitest. Wenn es dir Sicherheit gibt, könntest du auch einen Begleiter zu Fuß mitnehmen, der notfalls eingreifen kann
Pferde sind wie die Wurzel aus -1 : Sie sind komplex und in der Schule lernt man nicht, wie wichtig sie sind.
Vielen vielen Dank ihr Lieben, ihr habt mir tolle Ideen zukommen lassen!
Also was bei uns nicht geht ist der andere Heimweg. Er kennt jeden Ausreitweg mittlerweile und immer bei 50 % des Weges fängt das getrippel an
ABER es scheint als wäre ich doch konsequent genug gewesen bei den letzten beiden Malen. Einmal hab ich ihn ja rückwärts gehen lassen und dann hab ich auch noch nen Tipp von einer Stallkollegin bekommen. Ich glaube das war jetzt schonmal der Durchbruch! Und zwar, so einfach aber so effektiv: Ihn langsam reiten ^^
Da ich immer dazu neige eher die Beine nicht zu nutzen aus Angst er würde quasi den Schenkel als Ansporn nehmen (keine Ahnung wann ich damit angefangen habe, aber nach anhaltender Beobachtung meiner selbst ist mir das voll aufgefallen das ich sehr passiv sitze!) habe ich ihn dann mal aktiv langsam geritten. Eigentlich eher klassisch als Western- like aber das ist mir ehrlich gesagt auch unwichtig. Ich bin generell für die Vielseitigkeit im Reiten und versteife mich da nicht auf eine Sache. Wenns hilft darf es auch mal halbe und ganze Paraden mit mehr Zügelarbeit sein^^ und siehe daaaa... das Pony geht langsam.. und zwar am Ende am nachgebenden Zügel, in vorbildlicher Haltung...
Ich muss dazu sagen das er aber auch mehr getrabt ist als sonst auf dem Hinweg und auf dem Rückweg bin ich wieder konstant nur Schritt gegangen. Aber die meiste Zeit am durchhängenden Zügel. Tip Top!
UND natürlich nicht zu vergessen, wir hatten das andere Gebiss drin. Er hat jetzt vorübergehend zur Probe ein doppelt gebrochenes was bei Zügelzug zur Stange wird. Das Gebiss ist natürlich sehr deutlich und hat einen selbstlerneffekt. Ich denke mal das es für ihn zwar anfangs seltsam war, er aber sehr schnell begriffen hat das dieses Gebiss ganz nett ist, vorausgesetzt man geht in Anlehnung oder streckt sich^^ Nunja, für die Platzarbeit ist es allerdings ungeeignet. Ich denke das ich dafür nochmal nach einem Billy Allen schaue. Denn für Stellung und Biegung ist es tatsächlich dann zu starr. Aber im Gelände ist eh mehr geradeaus. Vorallem jetzt noch wo wir erst wieder anfangen nach der Winterpause.
Bei mir war es letztes Jahr genau so, wie du es am Anfang geschildert hast: Vom Hof weg, aufmerksam aber langsam (so unter dem Motto "der Boden klebt, ich komme nicht vorwärts!" und auf dem Rückweg - Kopf hoch und schnell nach Hause!!!
Du scheinst ja bereits eine gute Methode gefunden zu haben, aber vielleicht helfen ein paar andere Ideen dennoch:
Als erste Lösung habe ich es auch mit Volten probiert, mit mäßigem Erfolg... meine Stute hat das total genervt und der Kopf kam noch höher und zwar so, dass ich keinerlei Einfluss mehr hatte und dann wieder ab nach Hause... Das hat die Situation also eher noch verkompliziert.
Dann bin ich IMMER, wenn sie mir zu schnell wurde konsequent in die andere Richtung, also wieder vom Hof weg, geritten - und zwar so lange, bis sie sich halbwegs entspannt hat (Kopf runter, angenehmes Tempo....) und bin dann erst wieder Richtung nach Hause geritten. Am Anfang hat man sich zwar immer wieder mehr entfernt, als man dem Stall näher gekommen wäre... Aber es hat wirklich was gebracht! Dadurch hat sie schnell raus gehabt, wenn ich mich entspannte, kehren wir wieder um was die Situation deutlich beruhigt hat, sie hat sich auch nicht so gegen das Wenden gewehrt. Nur war sie deutlich langsamer, weil sie das Wenden natürlich nicht so super fand. Deshalb habe ich angefangen auch nach dem Wenden (vom Stall weg) zu traben. Wie gesagt - verständliche Kommunikation und Ruhe in der Situation, aber sobald wir wieder auf dem Heimweg waren, wurde sie nach kurzer Zeit wieder schnell.
Dann habe ich mich gefragt, warum genau sie so schnell nach Hause möchte Trennungsangst? Ja, aber das kann es nicht allein sein...
Was erwartet sie denn Zuhause? Ruhe, Entspannung, evtl. Müsli und die anderen Pferde. Was erwartet sie auf so einem Ausritt? Anstrengung und Aufregung. Und genau diese Erwartungen wollte ich verändern. Deshalb bin ich nur ein paar Meter vom Hof weg geritten und wieder zurück (nach der oben beschriebenen Vorgehensweise) ((Übrigens sind 100m den Weg hoch einmal in einen 2 Stunden Ritt ausgeartet! )) Und dann habe ich am Stall eine anstrengende Trainingseinheit nachgeschoben, aber wirklich! eit: Dadurch hat sie langsam gelernt "wenn ich von einem Ausritt komme wartet Arbeit" und deshalb fing sie an den Ausritt als nette Abwechslung anzusehen. Natürlich haben wir parallel auch viel Bodenarbeit gemacht und Vertrauen aufgebaut, damit sie eben auch mit mir eine Herde bilden kann und nicht so fixiert auf ihre Herde zu sein braucht.