Ich habe beim longieren mit Brego (3,5 Wallach, Trakehner) eigentlich grundsätzlich das Problem, dass er im Trab den Kopf viel zu weit oben trägt und dadurch mit durchgedrücktem Rücken läuft. Im Schritt geht es einigermaßen. Da läuft er anständig. Aber im Trab und Galopp spielt er grundsätzlich 'Giraffe', egal ob jetzt bei mir an der Longe oder beim Rennen auf der Koppel.
Meine Gedanken dazu: Meint ihr er kann sich noch nicht wirklich ausbalancieren und es fällt ihm mit hohen Kopf leichter? Oder ist es 'einfach so' und ich muss einfach nur mit ihm üben den Kopf zu senken im Trab? Beim wilden Spielen auf dem Paddock rennt er ja auch mit gesenktem Kopf im Galopp und Trab seinem Kumpel hinterher um ihm in die Füße zu beißen. Und die schlagen dabei Haken, dass man Angst haben muss, dass sie gleich am Boden liegen
Ich würde mich natürlich sehr über hilfreiche Antworten freuen
"Es gibt etwas Gutes in dieser Welt, Herr Frodo und dafür lohnt es sich zu kämpfen." [Samweis Gamdschie - Herr der Ringe]
Ferndiagnose ist natürlich schwierig - schließlich könnte der Grund eine körperliche Sache sein. Das solltest du am Besten von einem Spezialisten abklären lassen
Junge Pferde haben aber häufig Probleme sich besonders auf einer Kreisbahn auszubalancieren. Mein eigenes junges Pferd hat lange gebraucht, um sich an die ungewohnte Arbeit zu gewöhnen und dann noch einige Zeit, bis sie sich entspannte und den Kopf fallen ließ. Nach unserer längeren Pause über Sommer musste sie sich wieder neu einstellen, auch das dauerte zwei drei Tage.
Wie lange arbeitest du dein Pferd denn schon an der Longe? Und wie lange dauert eine Trainingseinheit? Das hilft vielleicht, die Situation besser einzuschätzen
Pferde sind wie die Wurzel aus -1 : Sie sind komplex und in der Schule lernt man nicht, wie wichtig sie sind.
Das Problem kenne ich gut - meine Alice macht das auch.
Kopf hoch ist bei ihr eine typische Reaktion auf alles, was ihr komisch vorkommt...
An der Longe habe ich mit Führen in Stellung angefangen. Dabei kann man sehr gut die gewünschte Kopf-Haltung "einstellen" und Loben ... irgendwann wird Brego das bestimmt auch im Trab oder Galopp hinbekommen.
Beim Reiten habe ich das Kopf senken aktiv verstärkt (durch Clickertraining). Man kann auch ein Signal dafür etablieren und dies an der Longe oder vom Sattel aus abfragen.
Aber auf der Weide wird er immer laufen, wie er gerade möchte...
Wie meine Vorredner denke ich auch, dass erstmal gesundheitliche Probleme etc. abgeklärt werden sollten. Ansonsten gibt es da natürlich tausende Möglichkeiten. Schimm fällt es eher leicht, den Kopf fallen zu lassen, ab und an wird es eher zu viel, sodass er auf der Vorhand rumlatscht. Dennoch hat auch er mal schlechtere Tage. Bei ihm hat es sehr geholfen, ihn einfach immer wieder zu loben, wenn er den Kopf mal kurz von sich fallen lässt. Ich sage vorher immer "Locker!" zu ihm in einem ruhigen, langgezogenem Ton. Darauf reagiert er inzwischen sehr gut und freut sich schon sehr über ein kleines Stimmlob, fängt dann an munter zu Schnauben und zu kauen und strecke sich dann sehr schön ab. Vor der Pause haben wir eine Übung etabliert, die ich unbedingt vertiefen möchte. Die halte ich auch für recht praktisch. Wir haben erst das Kopfabsenken bei leichtem Druck im Genick geübt und durch das Clickern gefestigt. Dann habe ich angefangen, ein Kommando für das wieder Aufrichten hinzuzufügen und habe die Bewegung immer "mitgemacht", sodass Schimm meine Bewegung spiegelt. Das haben wir erst im Stehen gemacht, dann im Führen. Zuletzt hat es an der Longe super funktioniert, ihn so durch meine Körperhaltung dazu zu bringen, seine eigene zu ändern. Sobald er wieder fit ist, würde ich das sehr gerne ausbauen, da er jetzt schon anfing, beim "Aufrichten" mehr zusammen zu kommen und weiter unterzutreten. Ich kann mir vorstellen, dass man so eine sehr schöne Selbsthaltung erarbeiten kann. Die Stute meiner Freundin wiederum hat eher Probleme, den Kopf fallen zu lassen und ist auch in regelmäßiger Behandlung bei Osteo, Physio und TA. Bei ihr hat es gut funktioniert, ihr anfangs viele Schrittpausen für ein kurzes Absenken des Kopfes zu geben. Inzwischen fällt ihr das auch viel leichter.
"Die Menschen sind Rivalen im Wettkampf, aber geeint und Freunde durch ihr Ideal in der Ausübung ihres Sportes und noch mehr im täglichen Leben." Jigoro Kano
Aufgrund seines Alters kann ich mir vorstellen das es ihm noch an der Balance fehlt. Auf einer Kreis Linie gebogen und mit gesenktem Kopf laufen darf ich nicht unterschätzt werden - auch bei älteren pferden. Wenn gesundheitlich auch alles abgeklärt ist, würde ich auch so vorgehen wie es ninaalkiba schon geschrieben hat. Vielleicht anfangs sogar erst nur im Stand ihm die Stellung und Kopf Haltung (ich würde das am Kappzaum machen) zu zeigen, damit er so verstehen kann was gewünscht ist und so dann im schritt weiter machen. Erst mal auf großen Linien und dann je nach dem wie er mit macht versuchen auf den Zirkel zu gehen. Vielleicht hilft ihm aber auch das übertreten und daraus dann den longier Kreis zu entwickeln....
Das was horsemeup geschrieben hat, mach ich bei meiner Stute auch so ähnlich. Ich hab gelernt das das Kopf absenken auch eine gute Sache ist um seinem Pferd in den pausen Zeiten (ich baue viele pausen in das Training ein, damit Ronja auch zeit zum nachdenken und verarbeiten hat) zu entspannen.
Sofern alles gesundheitliche abgeklärt ist und die Ausrüstung passt würde ich ihm auch erst einmal viiiieeel Zeit geben. Generell bin ich ein großer Freund davon junge Pferde lange Pferd sein zu lassen! Der ernst des Lebens kommt schon früh genug aber in dem Alter sollte er lernen sich auszubalancieren und einen Takt zu finden (essentiell wenn du später reitest). Baut er langsam Tiefenmuskulatur auf, zeigt Takt und Balance könntest du es auch mal mit locker (aber nicht zu weit, der Sicherheit halber) verschnallten Laufer- oder Dreieckszügeln versuchen. Nicht um ihn unten zu halten oder "runter zu schnallen", sondern um ihm den Weg in die Tiefe zu zeigen. Aber auch hier ist vorsicht geboten, da das Pferd zum einen seinen Hals als Balancierstrange nutzt, er aber gegenteilig auch die Hilfszügel zum "Drauflümmeln" zweckentfremden könnte wenn es anstrengen wird Allgemein sagt man ja auch, dass junge Pferde eher in umzäuntem Raum (Roundpen) gearbeitet werden sollen, eben aus Balance-Gründen. Hast du diese Möglichkeit nicht, versuch vielleicht erstmal mit ihm mit außen herum zu laufen um ihm die Sicherheit der Bande noch nicht zu nehmen. Und was mir auch noch einfällt ist vielleicht ergänzend die Arbeit am Kappzaum eit: (akademisch Angelehnt). Dort lernt das Pferd ganz zu Anfang den Kopf zu senken, sich korrekt zu Stellen/Biegen und vorsichtig diese Stellung im Schritt, später in den GGA abzufragen. Das könnte euren Weg zum Anreiten ganz gut ergänzen.
Geh nicht, geh nicht fort von mir Lass mich hier nicht zurück Und dann geh'n wir Auf offenen Feldern In offenen Wegen In unser Paradies 04.04.2017