Mal ganz im Ernst, wir kennen sie doch alle - Vorurteile. Und mal ganz unter uns jeder at auch das ein oder andere Vorurteil (ich nehme mich da selbst nicht raus). Und gerade wenn man hier bei Facebook unterwegs ist merkt man eins sehr schnell: Poste niemals ein Bild in eine Pferdegruppe, es sei denn du möchtest, dass alle, die es besser wissen (meist so zwischen 85-99%der Gruppenmitglieder), ihren Senf dazu geben und dir erklären, was du alles falsch machst. Hier eine kleine Spoiler-Warnung: Du machst eh ALLES falsch und dabei ist es völlig egal, wie du es machst.
Ihr glaubt mir nicht? Hier ein Beispiel: Junge Frau postet Bild ihres ersten eigenen Pferdes bei der ersten Reitstunde. Pferd, mit Dreieckszügeln, trabt ganz passabel, Reiterin sitzt noch etwas unsicher drauf, strahlt aber wie ein Honigkuchenpferd und berichtet stolz von der ersten Reitstunde. Was ich mir denke: Nicht perfekt, aber hey, wer ist das schon... bin zwar kein Fan von Dreieckszügeln, aber da die Reiterin erst mal an ihrem Sitz arbeitet und Unterricht nimmt ist es doch so eine gute Kombination. Außerdem strahlt sie übers ganze Gesicht und ist mega happy, das Pferd wird es bestimmt gut bei ihr haben. Was 99% der Kommentarschreiber posten: "Wer richtig reiten kann braucht keine Hilfszügel!" "Das Pferd tritt viel zu kurz, vielleicht solltest du erst mal einen Osteopathen kommen lassen, bevor du anfängst zu reiten!" "Setz dich doch mal gerade hin, dann müsste dein Pferd nicht den Rücken wegdrücken und du bräuchtest keine Hilfszügel!"
So oder Ähnlich läuft es wirklich häufig ab und dabei ist es egal, um welches Thema es geht. Boxenhaltung ist immer und ohne Einschränkungen totale Tierquälerei, Hilfszügel sind die Werkzeuge des Teufels und wer Sporen oder eine Gerte benutzt, der sollte sowieso gevierteilt werden.
Ich will hier nicht alles schön reden und auch nicht alles gut heißen, aber kann man nicht mal versuchen über den Tellerrand zu schauen? Man würde vielleicht sehen, dass nicht alles nur schwarz oder weiß ist. Und, was ich am allerwichtigsten finde: Gönnt doch den anderen ihre Freude! Nicht alle sind als talentierte Profis auf die Welt gekommen, im Regelfall lernt man das Reiten nach und nach... meistens hört es mit dem Lernen auch niemals auf Im Beispiel oben sieht man, dass die junge Frau sich mega über ihr erstes eigenes Pferd freut, sie nimmt unterricht um an sich zu arbeiten und man kann nunmal erst am Pferd arbeiten, wenn der Sitz passt. Dem Pferd im weggedrückten Rücken rumknallen ist ja auch nicht sehr förderlich.
Konstruktive Kritik nimmt sicherlich jeder gerne an, Beleidigungen als Tierquäler sind hingegen nicht förderlich für das Üben von Kritik. Statt nach dem WARUM zu fragen, wird erst mal drauf gehauen und sich auf seine ach so tief verankerte Fachkenntnis berufen. Klar, es gibt auch Fälle, da ist Hopfen uns Malz verloren, doch wenn man beginnt zu hinterfragen, statt zu beschuldigen, eröffnen sich einem vielleicht auch selbst neue Wege und man beginnt, sein eigenes Tun und Handeln zu hinterfragen und vielleicht auch mal was neues auszuprobieren.
Die Vorurteile mit denen ich mich oft konfrontiert sehe sind: - Übergewichtige Reiter können nicht reiten und schaden dem Pferd nur. - Kaltblüter sind stumpf und träge. - Bodenarbeit ist gar kein richtiges Training. - Boxenhaltung ist immer Tierquälerei.
Mit welchen Vorurteilen habt ihr zu kämpfen und welche Vorurteile nerven euch total (auch wenn sie euch nicht betreffen)?
Das mir mein Pferd das liebste sei, sagst du o Mensch sei Sünde! Mein Pferd bleibt mir im Strurme treu, der Mensch nicht mal im Winde!
Oooh ja, ich kenn das. Eine aus dem Stall hat ihren RB's in einer schriftlichen Vereinbarung verboten mit mir ausreiten zu gehen - geil was? Der Grund? "Die hat keine Ahnung von Pferdetraining. Bringt ihrem Pferd Sachen bei obwohl es total frech ist." Tja...ich arbeite seit geraumer Zeit fast ausschließlich nach +R bedeutet Samira hat Autonomie, darf auch mal "Nein" sagen....und die Dame kommt aus der alten Schule, bedeutet was der Reiter sagt hat das Pferd zu tun. Mir ist´s egal, ich kann nur drüber Lachen. Aber unsinnig find ich das schon irgendwie.
Naja und dann das gängige Thema ...Waaaas ein Pony auf 24h Wiese, ja bist du denn bekloppt? Das mit der Bodenarbeit ist mir auch nur allzu vertraut.
Liebe Grüße Ravi und Samira
~Of Ymir’s flesh,was earth created, formed Midgard for the sons of men~?
Kenn ich gut. Bei mir taucht da immer mal das "Du bist viel zu groß für deine Ponys, kannst du dir kein richtiges Pferd kaufen?" auf. Wobei das auch mehr so ne Foren-Sache ist, auf YouTube hatte ich zum Glück noch keinen Blöden. Nur mal freundliche Nachfragen, aber das ist ja auch in Ordnung.
Dann hast du in Isi-Kreisen immer das "Das ist ein Isländer, mit Bodenarbeit und Dressur machste da nur die Gänge kaputt!" - oder das andere Extrem "Wie, du reitest Turniere? Und dann auch noch Gangprüfungen??? Du Tierquäler!" In gewisser Weise ist da sogar was dran, man muss immer Kompromisse finden und ja, Vinas Dressur-Ausbildung leidet unter der Turniersaison, genauso wie unsere Turniernoten erstmal unter der Dressur-Ausbildung leiden. Aber das wichtigste ist ja, dass sie vernünftig gesunderhaltend gymnastiziert ist. Und dazu muss sie nun wirklich keinen perfekten Schulhalt beherrschen.
Wenn man etwas erreichen möchte ist draufhauen grundsätzlich nie das Mittel der Wahl, egal bei welchem Thema. Auf draufhauen folgt immer Ignoranz und eher "jetzt erst recht". Aber das verstehen die wenigsten und gerade im Internet geht das draufhauen ja auch so leicht. Die Hemmschwelle ist gefühlt viel niedriger als im Reallife.
Ich erwische mich aber auch immer wieder dabei, dass ich selbst ganz schön judgy bin. Gerade im Bezug auf Reitanfänger mit eigenen Pferden. Aber das kommt wahrscheinlich daher, dass ich da sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe, bzw. ist das auch gerade wieder aktuell. Wenn Anfänger sich ein Pferd kaufen bin ich da immer ein bisschen kritisch - das kann funktionieren, wenn man einen guten Trainer hat und sich auch helfen lässt. Aber ich habe bisher mehr Leute getroffen, die gar nichts lernen wollen, sondern sich lieber ein gut ausgebildetes Pferd kaufen, es in Grund und Boden reiten, dann behaupten das Pferd wäre böse, ein Durchgänger und könnte ja eh nix und es am liebsten ganz schnell gegen was neues funktionierendes eintauschen wollen. Sowas macht mich wütend. Und ich weiß, dass ich da wahrscheinlich vielen Unrecht tue, aber ich habe das mittlerweile oft genug erlebt. Auch mit Pferden, die mir wirklich am Herzen liegen. Wo ich auch ganz schön ätzend werden kann, ist, wenn Leute nicht selbstständig denken. Ich frage mich dann manchmal, ob ich jetzt zu viel verlangt habe, aber eigentlich darf man doch von einem erwachsenen Menschen erwarten, dass er einmal kurz seinen gesunden Menschenverstand anschmeißt, oder? Allerdings merke ich auch immer wieder, dass ich die Probleme die man als Anfänger/Späteinsteiger so hat schlecht nachvollziehen kann. Wenn man das als Kleinstkind anfängt und da einfach reinwächst tauchen manche Probleme nie auf, das ergibt sich halt einfach so. Da muss ich mich selbst auch manchmal am Riemen reißen, jetzt nicht ungeduldig zu werden.
Tschideli und bis bald! Jana, Lögg, Vina und Dís grüßen euch!
Also ich muss zugeben, dass ich zum Glück bisher weder auf YouTube noch im realen Leben mit "Anfeindungen" wegen Vorurteilen zu kämpfen habe. Jeder akzeptiert mich und mein Handeln..... wenn man mal von Twisters Stehmähne absieht ("Tierquäler... bla bla" aber das ignorier ich mittlerweile ganz gut und nach fast 2 Jahren hat sich die Meute auch endlich beruhigt.
Ich glaube das größte Problem an Vorurteilen - merke ich auch auf der Arbeit sehr oft - ist, dass kaum hinterfragt und nachgedacht wird. Alá "Das haben wir doch immer so gemacht!" oder "Das haben wir ja noch nie so gemacht!" Da hilft nur entweder konsequentes Ignorieren oder geduldiges Aufklären.
Mir sind sie nicht nur im allgemeinen Umgang mit Tieren schon begegnet, sondern besonders in der Haltung. Ich erkläre das mal kurz: wir haben uns ja Pferdehaltung am Haus mit Weiden ohne praktische Erfahrung "angetan", aber für mich stand schon sehr früh fest, dass eigenen Grund und Boden hobbymäßig bewirtschaften möchte und habe deshalb viel darüber gelesen und mir das Prinzip in verschiedenen Ställen bei Freunden genau angeschaut. Also nicht komplett blauäugig! Aber ich merke auch, es gibt viele Möglichkeiten sich auszuprobieren - Und dafür habe ich Zeit! Also wenn es etwas gibt, was ich gerne ausprobieren möchte (in diesem Jahr möchte ich die Weiden z.B. zum ersten Mal kalken) dann mache ich das ... und wenn es halt nicht so klappt, wie gedacht, Pech gehabt Aus Fehlern lernt man! Doch was man sich da alles sagen lassen muss: von wegen ich habe ja keine Ahnung, solle das ganze Verkaufen und es jemandem geben, der sich damit auskennt. Einsteller haben sich sogar geweigert, die Weiden abzuäppeln, weil das ja angeblich nicht nötig sei, oder unüblich... als ich sie dann raus geschmissen habe, haben sie aber blöd geschaut Meine Haltung: auf meinem Grundstück entweder misten oder gehen.
Und viele Reitbeteiligungen habe ich verschreckt, weil ich ihnen angeraten habe, sich doch mal Gedanken über den Grund eines Problems zu machen... oder ein Pferd doch einfach mal zu loben, wenn es etwas gut macht - seither gelte ich hier in der Gegend als seltsam
Natürlich bin auch ich nicht frei von Vorurteilen - wenn ich Reiter mit Sporen oder Hilfszügeln sehe, graust es mich kurz - NICHT, weil ich etwas dagegen hätte! Sondern weil ich eine sehr engstirnige Einstellung dahinter vermute.... Deshalb frage ich meist freundlich nach, warum dieses Hilfsmittel benutzt wird. Bekomme ich eine "gute" Erklärung, habe ich nichts gesagt! Aber meistens bekommt man zu hören: "ohne verarscht mich das Pferd andauernd" oder "ohne habe ich keine Kontrolle" - da wünsche ich den Leuten einen schönen Tag und weiß, mit denen lohnt sich kein Gespräch, da wird kein Austausch stattfinden! Eine Bekannte mit eigenem Pferd kommt mich mit Pferd besuchen - mit einem sehr eng verschaltem Sperrriemen (da passten keine Finger zwischen und das Ding schnitt schon echt tief ins Fleisch, deswegen hat Pferd die ganze Zeit mit dem Kopf geschlagen) Ich erzählt, dass ich keine Trense mit Sperrriemen besitze und mal gefragt, warum sie den benutze. Antwort: "ich habe den schon einmal abgemacht und dann bleibt das Pferd sofort stehen. Ohne Sperrriemen kann das Pferd nicht laufen". Ich nochmal blöd gefragt, was der Riemen am Maul mit den Beinen zu tun hat - und einen sehr schrägen Blick und keine Antwort geerntet Ein paar Tage später habe ich dann Bilder bei Facebook ohne Riemen gesehen Leider hielt diese Phase nicht lange an... nur etwa 3 Wochen, danach war das Ding wieder drauf...
Ich habe auch eine Bekannte, die nie richtigen Reitunterricht hatte, sondern nur von Privat, (da sind die teilweise in einer Abteilung einen kleinen Parcours gesprungen ) und hat sich ihr erstes eigenes Pferd, ein "altes" Springpferd gekauft, ist damit Zuhause dreimal über ein einzelnes Cavaletti gehüpft und hat anschließend ein Springturnier gemeldet... Super Idee, oder nicht!? 19 Tage nach dem Pferdekauf ist sie also zum Turnier gefahren - naja, sie ist im Parcours zweimal runtergefallen und einmal gegen die Bande geklatscht worden. Als ich sie später fragte, wie das Turnier gelaufen ist, und warum ihr dies passiert sei, war die Antwort: "der Parcours war für ein Großpferd viel zu eng gestellt gewesen und sie hätte keine Chance gehabt, mit ihrem Pferd vernünftig die Kurven zu reiten" - Ahja Ist es noch ein Vorurteil, wenn etwas einfach grob fahrlässig und gefährlich ist?
Patzig werde ich aber nur, wenn mir jemand rät, mir einfach mal eine Gerte zu nehmen und mich mal richtig durchzusetzen. Ich solle mal meinem Pferd zeigen, wer der Boss ist - da erntet es immer sehr harsche Erwiderungen!
Echt heftig was ihr so schreibt Vor allem das mit der RB ist ja schon krass... nur eine Frage was heißt +R ? Stehe da gerade bissle aufm Schlauch
Also ich persönlich habe es mittlerweile gut im Griff keine Vorurteile zu Fällen, so wie in Schubladen zu denken. Das gehört aber zu mir und meiner lebensweise dazu. Jeder ist so wie er nun mal ist und die Person wird schon einen Grund haben warum sie es so macht . Wenn es mir nicht gefällt, dann schau ich mir das nicht an. Klar könnte man versuchen zu bekehren und vom Gegenteil zu überzeugen, doch wenn die Person es nicht ändern möchte, möchte sie das nicht und ich steck da nur unnötig Energie und nerven rein.
Mit Ronja gehe ich mittlerweile sich komplett neue Wege und das versteht auch nicht jeder. Müssen se such nicht, ist ja schließlich mein Ding. Trotzdem habe ich bisher noch keine Urteile, Vorurteile, Beleidigungen etc abbekommen. Liegt vielleicht suchbdaran, das ich im Moment nur sporadisch etwas auf den Social Media Kanälen Teile... Im Stall aktzeptiert das Jeder, wobei ich schon mal den einen oder anderen Blick abbekomme wenn ich bei meinem Pferd in der Box sitze oder am halsring spazieren gehe mittlerweile haben se das aber so akzeptiert und ich bin eben der Paradies Vogel im Stall. Das bin ich im wahren Leben aber auch also stört mich das nicht weiter
Zitat von Ronjanur eine Frage was heißt +R ? Stehe da gerade bissle aufm Schlauch
Das steht für positive reinforcement, also positive Verstärkung. Geht (meist?) einher mit intrinsischer Motivation, das Pferd soll also aus sich selbst heraus agieren, nicht, weil du es dazu gebracht hast (extrinsische Motivation). Dazu gehört eben auch, dem Pferd die Autonomie zuzugestehen, auch mal "Nein" zu sagen und es dann nicht unter Druck zu setzen. Hoffe ich hab das jetzt grundsätzlich richtig erklärt, bin da kein Experte aber finde es schon spannend.
Tschideli und bis bald! Jana, Lögg, Vina und Dís grüßen euch!